Ratgeber
Bewerbung schreiben: Lebenslauf, Anschreiben und Unterlagen
Eine gute Bewerbung besteht in Deutschland aus einem tabellarischen Lebenslauf von ein bis zwei Seiten, einem Anschreiben von höchstens einer Seite und den Zeugnissen, die die Stelle verlangt. Alles ist auf die eine Stelle zugeschnitten: der Jobtitel aus der Anzeige, Ergebnisse statt Aufgaben und die Begriffe, die die Anzeige selbst verwendet.
Von Jorge Silva
Was gehört in eine Bewerbung?
Die klassische Bewerbungsmappe gibt es kaum noch. Fast alle Unternehmen wollen die Unterlagen per E-Mail oder über ein Online-Formular, meistens als eine einzige PDF-Datei. Was hineingehört, steht in der Anzeige. Fehlt dort ein Hinweis, schickst du Lebenslauf, Anschreiben und die wichtigsten Zeugnisse.
Bei Online-Formularen wiederholst du vieles, was schon im Lebenslauf steht. Kopiere die Angaben wörtlich aus deinem Lebenslauf, damit Daten und Jobtitel überall gleich sind: Recruiter vergleichen beides.
- Lebenslauf: tabellarisch, die aktuellste Station zuerst, ein bis zwei Seiten.
- Anschreiben: höchstens eine Seite, auf genau diese Stelle bezogen.
- Zeugnisse: das letzte Arbeitszeugnis und der höchste Abschluss, weitere nur, wenn die Anzeige sie verlangt.
- Dateiname mit deinem Namen und der Stelle, zum Beispiel Lebenslauf_Anna_Schmidt_Buchhaltung.pdf.
Wie sieht ein Lebenslauf aus, den ein ATS lesen kann?
Viele Unternehmen sammeln Bewerbungen in einem Bewerbermanagementsystem (ATS). Es wandelt deine Datei in Text um und sortiert ihn in Felder wie Kontakt, Berufserfahrung und Ausbildung. Text in Grafiken, Tabellen oder zwei Spalten liest es oft in der falschen Reihenfolge oder gar nicht. Die sicherste Form ist eine Spalte, eine Standardschrift und ein PDF, das du aus einem Textprogramm exportierst.
Unter jede Station schreibst du zwei oder drei Ergebnisse statt einer Liste von Aufgaben. „Monatsabschluss von acht auf fünf Arbeitstage verkürzt“ sagt mehr als „zuständig für den Monatsabschluss“. Lücken erklärst du mit einem kurzen, sachlichen Satz.
- Kopiere den Text aus deinem PDF in einen einfachen Editor: Stimmt die Reihenfolge, liest auch das ATS sie richtig.
- Kontaktdaten gehören in den Text, nicht in die Kopfzeile.
- Abschnitte heißen schlicht Berufserfahrung, Ausbildung, Kenntnisse.
Brauchst du ein Foto im Lebenslauf?
Nein, ein Foto ist keine Pflicht. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet, Bewerberinnen und Bewerber unter anderem wegen Geschlecht, Alter oder ethnischer Herkunft zu benachteiligen, und nach § 11 AGG darf schon die Stellenanzeige nicht so formuliert sein. Ob du ein Foto beilegst, entscheidest du selbst.
Wenn du eines nutzt, dann ein aktuelles, ruhiges Porträt auf hellem Hintergrund, kein Urlaubsbild. Angaben wie Familienstand, Religion oder Geburtsort sind ebenfalls freiwillig.
Wie schreibst du ein Anschreiben, das gelesen wird?
Die Bundesagentur für Arbeit empfiehlt höchstens eine DIN-A4-Seite. Viele orientieren sich beim Aufbau an der Norm DIN 5008 für Geschäftsbriefe: Absender, Anschrift, Datum, Betreff, Anrede. Inhaltlich reichen drei kurze Absätze: warum dieses Unternehmen und diese Stelle, ein oder zwei Belege, dass du die wichtigste Aufgabe aus der Anzeige schon gemacht hast, und die Bitte um ein Gespräch.
Lass Floskeln wie „hiermit bewerbe ich mich“ weg und schreib ohne Konjunktiv: „ich bringe mit“ statt „ich würde mitbringen“. Ein möglicher Einstieg: „Sehr geehrte Frau Schmidt, in Ihrer Anzeige suchen Sie jemanden, der den Monatsabschluss für drei Gesellschaften übernimmt. Genau das mache ich seit vier Jahren bei der Muster GmbH.“
Wie passt du die Bewerbung an jede Stelle an?
Recruiter suchen im ATS nach Begriffen aus der Anzeige: Jobtitel, Programme, Qualifikationen. Übernimm diese Begriffe in der Form, in der die Anzeige sie nennt, aber nur, wenn du sie wirklich kannst. Setz den Jobtitel der Anzeige über deinen Lebenslauf und stell die Ergebnisse nach oben, die für diese Stelle zählen.
Mit KI geht das schneller, solange sie nur umformuliert, was du wirklich getan hast. Apply4Me passt Lebenslauf und Anschreiben auf Grundlage deiner eigenen Unterlagen an jede Stelle an, und du siehst jede Änderung, bevor etwas verschickt wird.
Wie viele Stellen gibt es gerade, und wie oft nennen sie ein Gehalt?
Stand 25. Oktober 2026 verfolgt Apply4Me in Berlin 36.707 offene Stellen, in Hamburg 19.471 und in München 16.243. In Berlin nennen 8.043 davon (21,9 %) ein Gehalt, der Median liegt bei 39.000 € brutto im Jahr. Bei 11.062 Berliner Stellen (30,1 %) kann sich Apply4Me nach deiner Freigabe automatisch bewerben.
Weil vier von fünf Anzeigen kein Gehalt nennen, lohnt sich ein Blick in die Verdienststatistik des Statistischen Bundesamts, bevor du im Anschreiben eine Gehaltsvorstellung angibst.
Häufige Fragen
Wie lang darf ein Lebenslauf sein?
Eine Seite bei weniger als etwa zehn Jahren Berufserfahrung, zwei bei einer längeren Laufbahn. Entscheidend ist die erste Seite: Jobtitel, die stärksten Ergebnisse und die Begriffe aus der Anzeige.
PDF oder Word?
Ein PDF, das du aus einem Textprogramm exportierst, außer das Formular verlangt Word. Nie einen Scan oder ein Foto der Seite: Daraus kann das ATS keinen Text lesen.
Muss ich immer ein Anschreiben schicken?
Wenn die Anzeige es verlangt, ja. Viele Online-Formulare machen es optional. Bei einem Branchenwechsel oder einer Lücke lohnt es sich trotzdem, weil es Fragen beantwortet, die der Lebenslauf offenlässt.
Darf ich meine Bewerbung mit KI schreiben?
Ja, wenn die KI dein echtes Profil umformuliert und du jeden Satz vor dem Versand prüfst. Erfundene Erfolge fallen spätestens im Vorstellungsgespräch auf.
Quellen
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