Kündigung durch Arbeitnehmer: Fristen, Form und Muster

Für deine Kündigung zählen Zugang, Frist und eigenhändige Unterschrift. Hier findest du die Regeln und ein kopierbares Muster.

Jorge Silva

10 Min. Lesezeit

Wenn du als Arbeitnehmer kündigen willst, prüfe zuerst die Kündigungsfrist in deinem Arbeitsvertrag und berechne den letzten möglichen Arbeitstag anhand des Zugangs beim Arbeitgeber. Die Kündigung muss auf Papier stehen und eigenhändig unterschrieben sein. Eine E-Mail, ein Scan oder eine Nachricht im Chat beendet das Arbeitsverhältnis nicht wirksam.

Welche Kündigungsfrist gilt für mich?

Prüfe zuerst deinen Arbeitsvertrag und einen möglicherweise geltenden Tarifvertrag. Ohne abweichende wirksame Regel gilt für deine Kündigung eine Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Vier Wochen sind 28 Tage, nicht ein Kalendermonat. Die gesetzliche Probezeitfrist beträgt zwei Wochen, wenn eine Probezeit vereinbart wurde; sie gilt während der Probezeit, die höchstens sechs Monate dauern darf. Diese Vorgaben stehen in § 622 BGB zu Kündigungsfristen.

Die längeren gesetzlichen Fristen, die sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit richten, gelten grundsätzlich für Kündigungen durch den Arbeitgeber. Dein Vertrag kann jedoch für deine eigene Kündigung eine längere Frist festlegen. Achte dabei darauf, ob die Regel für beide Seiten gleich ausgestaltet ist. Auch ein Tarifvertrag kann andere Fristen vorsehen. Vergleiche daher die konkrete Vertragsklausel mit dem anwendbaren Tarifvertrag, statt automatisch die längste Frist aus dem Gesetz auf dich zu übertragen.

So gehst du vor:

  1. Suche im Vertrag nach „Kündigungsfrist“, „Beendigung“ und „Probezeit“.
  2. Prüfe, ob auf einen Tarifvertrag verwiesen wird.
  3. Notiere, ob die Frist zum 15., zum Monatsende oder zu einem anderen Termin endet.
  4. Berechne den Zugangstermin rückwärts und plane einen Zeitpuffer ein.

Beispiel: Du willst zum Monatsende ausscheiden und deine Kündigung soll dafür spätestens vier Wochen vorher zugehen. Setze den Brief nicht erst am letzten möglichen Tag auf den Postweg. Übergib ihn nachweisbar früher und bitte um Bestätigung des Beendigungsdatums. Wenn eine Vertragsklausel unklar ist oder eine kürzere Frist vorsieht, lass sie vor dem Versand prüfen.

Wann muss die Kündigung beim Arbeitgeber ankommen?

Berechne die Frist vom Zugang beim Arbeitgeber aus, nicht vom Datum auf deinem Brief und nicht vom Tag, an dem du ihn abschickst. Für die gesetzliche Grundfrist von vier Wochen zum 15. oder Monatsende gilt § 622 BGB. Das bedeutet: Entscheidend ist, dass dein unterschriebenes Schreiben rechtzeitig in den Einflussbereich des Arbeitgebers gelangt und unter gewöhnlichen Umständen gelesen werden kann. Eine verspätete Zustellung kann den geplanten Beendigungstermin verschieben.

Lege deshalb zuerst deinen gewünschten letzten Beschäftigungstag fest. Prüfe dann die Frist im Vertrag und ermittle daraus den spätesten Zugangstag. Plane zusätzlich Zeit für eine persönliche Übergabe oder eine zuverlässige Zustellung ein. Bei einer Postsendung zählt nicht der Einlieferungsbeleg als Zugangsnachweis. Bei einer Übergabe solltest du dir auf einer Kopie den Erhalt mit Datum bestätigen lassen. Alternativ kann eine neutrale Person die Übergabe bezeugen.

Ein häufiger Fehler ist, „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ zu schreiben und dabei die Frist nicht selbst zu prüfen. Diese Formulierung kann zwar einen unklaren Termin auffangen, sie ersetzt aber keine Fristberechnung und gibt dir keine Sicherheit, dass dein gewünschtes Datum erreicht wird. Nenne, wenn du es sicher berechnet hast, den konkreten Beendigungstermin. Wenn du beim Datum unsicher bist, bitte schriftlich um Bestätigung des rechtlich zutreffenden Endtermins.

Beispiel: Du willst zum 30. September gehen. Schau zuerst nach, ob für dich vier Wochen, eine längere vertragliche Frist oder eine Probezeitfrist gilt. Berechne anschließend den spätesten Zugang und übergib das Schreiben mit Puffer. So kannst du bei Rückfragen nachweisen, wann der Arbeitgeber es erhalten hat, und musst nicht allein auf ein Versanddatum vertrauen.

In welcher Form muss ich kündigen?

Drucke deine Kündigung aus, unterschreibe sie eigenhändig und übergib das Original. Die elektronische Form ist ausgeschlossen: Eine Kündigung per E-Mail, Fax, Messenger, Foto oder unterschriebenem PDF genügt nicht. Das gilt auch dann, wenn dein Vorgesetzter im Chat antwortet, dass er die Nachricht gesehen hat. Die Schriftform und den Ausschluss der elektronischen Form regelt § 623 BGB.

Richte das Schreiben an deinen Arbeitgeber, nicht nur an deine direkte Führungskraft. Verwende den vollständigen Namen der Firma und die Anschrift aus dem Arbeitsvertrag oder aus verlässlichen Unternehmensunterlagen. Bei der Übergabe bring eine zweite Kopie mit und bitte um Datum und Unterschrift als Empfangsbestätigung. Verschickt wird das Original, nicht die Kopie. Wenn du den Brief zustellen lässt, wähle eine Zustellart, bei der du den Zugang nachvollziehbar belegen kannst. Die Unterschrift auf dem Original muss von dir stammen.

Eine Kündigung muss nicht lang sein. Du brauchst keine Begründung zu nennen und musst keine persönlichen Umstände erklären. Halte Ton und Inhalt sachlich, damit klar ist, dass du das Arbeitsverhältnis beenden willst. Bitte zusätzlich um eine schriftliche Bestätigung des Kündigungseingangs und des Beendigungsdatums. Eine solche Bitte ersetzt weder die Unterschrift noch den nachweisbaren Zugang.

Vor dem Versand abhaken:

  • Arbeitgeber und Anschrift stimmen.
  • Der gewünschte Beendigungstermin ist mit deiner Frist abgeglichen.
  • Das Schreiben enthält eine eindeutige Kündigungserklärung.
  • Das Papieroriginal ist eigenhändig unterschrieben.
  • Du behältst eine Kopie und einen Nachweis zur Übergabe.

Wenn du nicht selbst unterschreiben kannst, versende nicht einfach ein Foto oder einen Scan. Kläre vorher, welche Form rechtlich zulässig ist und wer zur Abgabe der Erklärung befugt wäre. Für die normale Kündigung durch dich ist das unterschriebene Original der sichere Weg.

Was gehört in ein Kündigungsschreiben?

Schreib knapp und eindeutig. Nenne deinen vollständigen Namen, die Anschrift des Arbeitgebers, das Datum des Schreibens und den gewünschten Beendigungstermin. Erkläre ausdrücklich, dass du dein Arbeitsverhältnis kündigst. Bitte um Bestätigung des Eingangs und des Beendigungsdatums. Eine Begründung, eine lange Danksagung oder Angaben zu deinem nächsten Arbeitgeber sind nicht erforderlich.

Nutze dieses Muster und ersetze die Platzhalter. Prüfe vor dem Ausdrucken besonders den Namen des Arbeitgebers und das Enddatum. Wenn du das Datum nicht sicher berechnen kannst, verwende die Formulierung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ und bitte um schriftliche Mitteilung des Beendigungsdatums. Verlass dich trotzdem nicht auf diese Worte, bevor du die Vertragsfrist und den gewünschten Zeitpunkt geprüft hast.

[Vor- und Nachname]
[Straße und Hausnummer]
[PLZ und Ort]

[Name des Arbeitgebers]
[Anschrift des Arbeitgebers]

[Ort], [Datum]

Kündigung meines Arbeitsverhältnisses

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich mein Arbeitsverhältnis ordentlich und fristgerecht zum [Beendigungsdatum], hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Ich bitte um schriftliche Bestätigung des Eingangs dieser Kündigung und des Beendigungsdatums.

Mit freundlichen Grüßen

[Eigenhändige Unterschrift]
[Vor- und Nachname]

Streiche die Alternative „hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ nicht automatisch, wenn du ein Datum einsetzt: Sie kann für den Fall helfen, dass deine Berechnung abweicht. Das Muster ersetzt aber keine Prüfung deiner Vertragsbedingungen. Drucke es aus und unterschreibe es mit Stift. Bewahre eine vollständige Kopie der unterschriebenen Fassung zusammen mit dem Nachweis der Übergabe auf.

Was sollte ich vor der Kündigung im Vertrag prüfen?

Lies vor dem Versand nicht nur die Zeile zur Kündigungsfrist. Prüfe auch, ob eine Probezeit vereinbart ist, ob ein Tarifvertrag gilt und ob es Klauseln zur Rückgabe von Arbeitsmitteln, zu offenen Urlaubstagen oder zu einem Bonus gibt. Kündige nicht allein aufgrund einer mündlichen Zusage zu einem neuen Job. Warte auf einen unterschriebenen neuen Vertrag und prüfe dessen Startdatum, Arbeitsort, Aufgaben und Vergütung. Sonst riskierst du eine Lücke, falls sich der Beginn verschiebt.

Wenn du in der Probezeit bist, kontrolliere den vereinbarten Zeitraum und den Zugang deiner Kündigung. Die gesetzliche Frist während einer vereinbarten Probezeit beträgt zwei Wochen; die Probezeit kann höchstens sechs Monate dauern. Die Regeln stehen in § 622 BGB. Eine Kündigung in der Probezeit muss ebenfalls die Schriftform erfüllen. Nutze deshalb auch in dieser Situation ein unterschriebenes Papieroriginal und plane den Zugang rechtzeitig.

Prüfe außerdem, ob dein Arbeitsverhältnis befristet ist. Eine ordentliche Kündigung während einer Befristung ist nur möglich, wenn sie im Arbeitsvertrag oder im anwendbaren Tarifvertrag vorgesehen ist. Steht dort nichts dazu, geh nicht davon aus, dass du automatisch mit der normalen Frist kündigen kannst. Lass die konkrete Vereinbarung prüfen, bevor du einen Termin zusagst oder ein Schreiben abschickst. Bei Streit über die Auslegung hilft eine Beratung durch eine geeignete Rechtsberatungsstelle.

Mach eine kurze Checkliste:

  • Ist der neue Arbeitsvertrag unterschrieben?
  • Welche Kündigungsfrist gilt nach Vertrag und Tarifvertrag?
  • Ist eine ordentliche Kündigung bei Befristung vereinbart?
  • Welche Urlaubstage, Überstunden und Arbeitsmittel müssen noch geklärt werden?
  • Hast du eine Kopie und einen Zugangsnachweis vorbereitet?

Empfehlung: Kündige erst, wenn dein nächster Schritt vertraglich gesichert ist oder du bewusst eine Übergangszeit eingeplant hast. Das gibt dir die Kontrolle über Starttermine und Einkommen, statt dass du nach dem Versand noch versuchen musst, eine voreilige Kündigung zurückzunehmen.

Wie sichere ich Zeugnis, Urlaub und eine saubere Übergabe?

Sprich vor dem letzten Arbeitstag mit deiner Führungskraft über die Übergabe laufender Aufgaben. Halte fest, welche Projekte offen sind, wo wichtige Unterlagen liegen und wer sie übernimmt. Gib Firmeneigentum wie Laptop, Schlüssel oder Ausweis gegen eine Bestätigung zurück. Dokumentiere den Zustand und den Übergabetag, besonders wenn die Rückgabe an mehreren Stellen organisiert wird. Eine klare Übergabe schützt dich vor späteren Missverständnissen und erleichtert deinem Team die Weiterarbeit.

Bitte um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, wenn du eines möchtest. Es enthält neben Art und Dauer der Beschäftigung auch eine Bewertung deiner Leistung und deines Verhaltens. Der Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis ist in § 109 GewO geregelt. Stelle die Bitte schriftlich und nenne, ob du ein einfaches oder qualifiziertes Zeugnis brauchst. Prüfe anschließend, ob Name, Beschäftigungszeiten, Tätigkeiten und Schlussdatum korrekt sind. Hebe das Zeugnis auf, denn du kannst es für spätere Bewerbungen verwenden.

Klär mit der Personalabteilung, wie offene Urlaubstage, angesammelte Überstunden und die letzte Gehaltsabrechnung behandelt werden. Lass dir Vereinbarungen schriftlich bestätigen. Beantrage nicht einfach Urlaub bis zum letzten Tag, wenn die Freigabe fehlt. Vereinbare außerdem, ob du während der Kündigungsfrist noch regulär arbeitest, Aufgaben übergibst oder freigestellt wirst. Eine Freistellung solltest du nicht selbst voraussetzen, sondern schriftlich bestätigt bekommen.

Konkrete Bitte an die Personalabteilung: „Ich bitte um schriftliche Auskunft dazu, wie mein Resturlaub und mein Zeitguthaben bis zum Beendigungsdatum behandelt werden. Außerdem bitte ich um ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.“ So erhältst du eine klare Antwort zu den offenen Punkten, statt sie erst am letzten Arbeitstag zu klären. Sammle Bestätigungen und Unterlagen an einem privaten, sicheren Ort, aber nimm keine vertraulichen Firmendaten mit.

Wie finde ich nach der Kündigung den nächsten Job?

Starte die Suche vor dem letzten Arbeitstag, sobald du die Kündigungsentscheidung getroffen hast. Aktualisiere deinen tabellarischen Lebenslauf, passe dein Anschreiben an die jeweilige Stelle an und lege wichtige Zeugnisse bereit. Nutze mehrere Kanäle wie StepStone, Indeed, XING, LinkedIn und die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit. Informiere dich außerdem frühzeitig bei der Bundesagentur für Arbeit über die nächsten Schritte, wenn du nicht direkt in eine neue Beschäftigung wechselst. So kannst du Bewerbungen und organisatorische Aufgaben parallel planen.

Vergleiche Stellen nicht nur nach Titel oder Gehalt. Prüfe Aufgaben, Vertragsart, Arbeitsort, Startdatum und Anforderungen. Wenn du in Berlin suchst, zeigt die Apply4Me-Seite aktuelle Stellenangebote in Berlin 46.683 Stellenangebote, Stand 05.11.2026. Als weitere Orientierung weist dieselbe Seite für Angebote mit Gehaltsangabe ein Median-Gehalt brutto im Jahr von 38.500 € aus, Stand 05.11.2026. Das sind Angebotsdaten der Plattform, kein persönlicher Gehaltsanspruch. Vergleiche sie daher mit deinen Qualifikationen und den konkreten Aufgaben.

Wenn du ortsunabhängig arbeiten möchtest, prüfe auch Remote-Jobs in Deutschland. Für diese Angebote weist Apply4Me 2.270 Stellenangebote aus, Stand 05.11.2026, und ein Median-Gehalt brutto im Jahr von 55.000 €, Stand 05.11.2026. Die Gehaltsangabe beruht auf den Angeboten mit Gehaltsangabe und ist keine Garantie für ein konkretes Angebot. Weitere Jobs in Deutschland kannst du nach Stadt und Beruf durchsuchen.

Setze dir für jede Woche ein konkretes Ziel, etwa passende Stellen zu speichern, Bewerbungen zu versenden und Gespräche vorzubereiten. Passe deinen Lebenslauf an die Anforderungen an, ohne Erfahrungen zu behaupten, die du nicht hast. Eine Kündigung beendet einen Arbeitsvertrag, aber nicht deine Möglichkeit, den nächsten Schritt planvoll vorzubereiten. Beginne früh genug, damit du zwischen dem letzten und dem nächsten Arbeitstag keine vermeidbare Lücke entstehen lässt.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich in meiner Kündigung einen Grund nennen?

Nein, für eine ordentliche Kündigung durch dich musst du grundsätzlich keinen Grund in das Schreiben aufnehmen. Formuliere klar, dass du das Arbeitsverhältnis beendest, und nenne den Termin. Bei besonderen Vertragskonstellationen solltest du die Kündigung vor dem Versand prüfen lassen.

Kann ich meine Kündigung per E-Mail schicken?

Nein. Eine E-Mail, ein Scan oder ein Fax reicht für die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses nicht aus. Übergib ein Papieroriginal mit deiner eigenhändigen Unterschrift und sichere den Nachweis des Zugangs.

Kann ich während eines befristeten Arbeitsvertrags kündigen?

Eine ordentliche Kündigung während einer Befristung ist nur möglich, wenn sie im Arbeitsvertrag oder im anwendbaren Tarifvertrag vorgesehen ist. Prüfe die Vereinbarung, bevor du einen Kündigungstermin festlegst. Bei unklarer Formulierung hol dir rechtliche Beratung.

Was mache ich, wenn ich das genaue Enddatum nicht kenne?

Prüfe die Kündigungsfrist im Arbeitsvertrag und in einem möglicherweise geltenden Tarifvertrag. Du kannst im Schreiben hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen und um Bestätigung des Enddatums bitten. Plane trotzdem ausreichend Zeit für den Zugang des unterschriebenen Originals ein.

Diesen Artikel teilen

KI-Tools für die Bewerbung

Ähnliche Artikel